Startseite Plastic Girl #1  Plastic Bomb Nr. 23; Sommer '98 Marita

....Der grosse Schicksalsbericht....
KARNEVAL ZERSTÖRTE MEIN LEBEN !

  





 "Ich weiß gar nicht, was in mich fuhr, als ich zusagte, zum Fasching mitzukommen..."
Tränenüberströmt sitzt M.* auf ihrer Couch. Sie kann es immer noch nicht fassen. "Dabei mochte ich Fasching noch nie!"

Angefangen hatte alles mit einem Telefonat einer Freundin. Sie fragte, ob M. mitkommen wolle, eine "sogenannte gute Bekannte" hätte ihr davon vorgeschwärmt. "Ich hatte mit A. schon ewig nichts mehr unternommen."  Schauer durchfahren M.. wenn sie nur daran zurückdenkt. Nun ja, zunächst hörte sich alles relativ nett an. Stattfinden sollte die Party ganz in der Nähe der Großstadt B. "Es gibt dort Essen und Getränke umsonst, und wenn’s ganz übel wird, setzen wir uns in die Ecke, und ärgern die Leute.." sagte ihr A. noch eine Woche vor dem schrecklichen Ereignis.

Mit Mühe und Not kratzte M. 26,- DM für den Eintritt zusammen, aber dafür kann man sich ja dort den Magen vollschlagen, so dachte sie jedenfalls.

Am Samstag sucht M. mißmutig einige Klamotten  heraus, die nicht unbedingt anders aussahen, als ihr übliches Outfit. " Naja, ich trug etwas mehr auf, haufenweise Ketten und solcher Kram halt, aber eigentlich sah ich aus wie immer."

Gegen 15.30 kommt A., um sie abzuholen,  und beide verspürten schon jetzt Unlust und Mißbehagen, zumal sie nun auch die Eintrittskarten in den Händen hatten. Da war von einem Dorf die Rede, 2 Stunden von B. entfernt, lustigen Musikanten, brünstigen Männern und Frauen. "Gegen 17 Uhr fuhren wir los, und  um 20 Uhr waren wir erst da !!!" Ihr Weg führte sie durch dunkle Dörfer und Straßen, bis sie plötzlich an einem riesigen Zelt ankamen, vordem hunderte Autos standen. Im Zelt durchfuhr sie der erste Schock. "Es sah aus, wie auf  der Bayerischen  Wiesen, überall  Bierbänke an  Bierbänke zum Bersten gefüllt."

Dazu dröhnte Schlagermusik aus den Boxen. Sekunden später der zweite Schock, als ein dickbäuchiger Miss Piggy  M.`s Kostüm bewundert und ihr ins Ohr grölt: "Die Perrücke is ja gelungen!"
Beleidigt suchen  M. und A. nach den versprochenen Geträken und dem Essen, und wieder stossen sie auf ein gelungenes Tüuschun
gsmanöver der "guten Bekannten". Bockwurst mit Brot war für 4,- DM erhältlich, dazu gutes Bier für 5,- DM. Inbegriffen im Eintritt war einzig und allein das Programm und die Band des Abends.

Der Frontmann besagter Band, gestylt mit modischem VoKuHiLa, Schnauzer und bis zu den Oberschenkeln abgeschnittene Jeanshosen, unterhielt die sich A-rythmisch bewegenden Seeräuber, Casanovas, Tomaten und Putzfrauen mit nachgesungenen Hits der letzten 30 Jahre. "Ich mußte von Smokie bis Roy Orbison alles etragen..." Avantgardistische blaue Plastiktüten fielen im Suff von der Bühne, und plötzlich unterbricht die Band ihre unbändige Augen- und Ohrenqual.



"Ich war wie in Trance, konnte es garnicht fassen. Plötzlich wurde es still, und es kam ein Mädchen - vom dortigen Karnevalsverein - auf die Bühne gestolpert und fragte uns mit auf den Boden gerichteten Blick und piepsiger Stimme, ob wir denn auch alle da seien.  Anschliessend 
befahl sie uns, fröhlich zu sein." So beschreibt M. die Lage, in die sie sich ja selber gebracht hatte. Sie wollte so schnell wie  möglich weg, doch A. war mittlerweile von dem Wahn, bei der angekündigten Verlosung zu gewinnen, angesteckt. "Ich merkte, wie sie sich sträubte" - so tranken sie noch ein Bier und beobachteten das Grauen weiter.

Mittlerweile gab es eine Laserlightshow zu sein, dazu die Pop-dancigen Klänge zu einem vertechnoidetem Heidi - Cover. Auf der Bühne spielten sich mittlerweile grauenhafte Szenerien ab. Zwei Männer, als Heidi verkleidet, 
versuchten sich am Schuhplattlern. Unter heftigem Applaus verließen sie nach nicht enden wollenden Minuten, die Bühne, um der Band des Abends wieder Platz zu machen. Was jetzt geschehen sollte, vermag man schon fast nicht wiederzugeben.Es wurde eine Polka angestimmt, und die anwesenden Gemüsesorten und Mönche faßten sich an ihre Schultern und zogen, eine Schlange bildend, durch den Raum.  "Hände grapschten nach mir, und ich konnte nur noch rennen, rennen, rennen. Mühsam zog ich A. hinter mir her, bis wir uns aus diesem Moloch befreit hatten."

Kaum einer kann erahnen, was die arme M. zu erleiden hatte. Das Grauen spricht auch heute noch, viele Wochen später, aus ihren Augen. Ob sie je in Ihrem Leben darüber hinwegkommen wird, wissen wir nicht, ..“aber ich will mit diesem Bericht jeden davor bewahren, denselben Fehler zu begehen...“

* Namen wurden zum Schutz der Personen gekürzt

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Plastic Girl - Kennwort: Hilfe Für Karnevalsgeschädigte